Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Schachklubs Kufstein fand vom 31.07. bis 02.08. das Senn-Open statt. Es wurden fünf Runden im Schweizer System mit klassischer Bedenkzeit gespielt. Vom 1. Halleiner Schachklub waren Rudi, Enke und ich dabei und spielten alle im A-Turnier mit.
CM Norbert Kranewitter leitete das Turnier professionell und so konnte es am Freitagnachmittag pünktlich losgehen. In der ersten Runde erspielten wir gleich 2,5 Punkte. Ich konnte mit schwarz gegen eine etwas dubiose Eröffnung meinen Vorteil kontinuierlich ausbauen und nach einer langen Partie gewinnen. Rudi hatte eine etwas deutlich chaotischere Schlacht am Brett, bei der sein erfahrener Gegner allerdings die Ruhe bewahren und ein Remis sichern konnte. Enke war in der ersten Partie klarer Favorit und gewann überzeugend.
Am nächsten Morgen musste Rudi sich gegen einen Fidemeister mit schwarz zur Wehr setzen. Hier waren nur zwei Fehlentscheidungen in der Eröffnung entscheidend. Als der König auf e7 von den generischen Läufern attackiert wurde, musste Rudi gegen diesen äußerst starken Gegner früh aufgegeben. Ich selbst hatte gegen eine WIM eine relativ langweilige Partie am Brett. Remis wollte ich nicht annehmen und so spielte ich weiter, bis ich selbst irgendwann relativ schlecht stand. In Zeitnot übersah meine Gegnerin jedoch einen Trick und als einer der letzten Spieler im Raum konnte ich das Endspiel Dame gegen Turm und Leichtfigur doch noch zum Sieg verwerten. Enke spielte gegen einen Jugendlichen mit deutlich höherer Elozahl. Er wählte einen soliden Aufbau. Im Endspiel konnte er seinen Gegner langsam aber sicher ausmanövrieren und holte so seinen zweiten Punkt.
In der Nachmittagsrunde war es dann so weit: Ich spielte auf Brett 1 mit schwarz gegen einen Großmeister. Viel gibt es nicht zu berichten. Die Eröffnung spielte ich schlecht und deshalb kam ich nicht einmal ins Mittelspiel. Nach ca. 60 Minuten gab ich auf. Rudi hatte ebenfalls einen von der Elozahl her deutlich stärkeren Gegner. Diesmal spielte er jedoch grundsolide und konnte ein faires Remis erzielen. Enke hatte gleich den nächsten zahlenmäßig überlegenen Jugendlichen als Gegner, doch wieder spielte er grundsolide und nutzte jede Ungenauigkeit seines Gegenübers präzise aus. So kam er zu drei Punkten aus drei Partien.
Am nächsten Morgen waren die Elodifferenzen bei Rudi und mir wieder etwas geringer. Rudi spielte mit weiß klar auf Sieg, doch sein Gegner fand in mehreren kritischen Stellungen sehr akkurate Verteidigungszüge. Trotz der scheinbaren Aktivität von Rudi, gab es nie tatsächliche Siegeschancen – das bestätigt auch Stockfish. Und so musste er schließlich hinnehmen, dass die Partie in einem Remis enden würde. Ich selbst konnte in der Eröffnung ein paar passive Züge meines Gegners zu großem Vorteil verwerten. Mein Gegner versuchte deshalb Druck auf der Uhr zu machen, übersah allerdings ein Mattnetz musste kurz darauf aufgeben. Nun musste Enke sich gegen einen FM behaupten. Wieder waren seine Endspielkünste gefragt. In einem minimal schlechteren Leichtfigurenendspiel konnte er die korrekten Verteidigungszüge finden und sich den halben Punkt sichern.
Dann kam auch schon die letzte Runde: Wir beide wollten unbedingt gewinnen und wählten dafür etwas unkonventionelle Eröffnungen. So spielten wir beide spannende, taktisch geprägte Partien. Rudis Gegner hatte zwischenzeitlich klar die Oberhand, konnte jedoch die korrekte Zufolge nicht finden. Bei mir entwickelte sich eine Stellung, bei der der Computer meine Seite klar präferierte, obwohl ich mir währen der Partei gar nicht so sicher war, wer überhaupt besser steht. Doch letztendlich entschied jeweils eine Unachtsamkeit unserer Gegner und so konnten Rudi und ich das Turnier mit einem Sieg abschließen. Nur Enke, der bei 3,5 aus 4 stand, hatte es diesmal schwer: Gegen einen IM mit über 2400 Elo spielte er lange eine spannende Partie mit interessantem Figurenungleichgewicht. Doch die Bauern des Gegners wurden immer stärker und nach langem Kampf musste Enke aufgeben.
Dennoch kam er auf starke 3,5 Punkte und Rang 9. Ich kam auf vier Punkte, jedoch leider wegen der schlechteren Feinwertung nicht auf’s Podest, sondern auf den fünften Rang. Rudi verbesserte sich beträchtlich von Startrang 55 auf Rang 32.
Es war ein großartiges Turnier und wir freuen uns auf die nächste Veranstaltung bei den Schachfreunden in Kufstein!
Ergebnisse (A-Open, chess-results)
Viele Partien wurden live übertragen: Übertragung auf lichess.org



